Analoge Musikwiedergabe

Muss es immer Digital sein?

Jeder, der hofft hier etwas über Streaming, Netplayer usw. zu
erfahren kann direkt aufhören zu lesen. Aber alle anderen lade ich ein mir auf einen
kleinen Ausflug in die analoge Musikwiedergabe zu folgen. Klar gibt’s heute
mp3, wma, aac usw., aber diese datenreduzierte Musik kann mit dem Erlebnis
einer LP und eines Plattenspielers nicht mithalten. Die Vinyl-Platte, wie wir
sie heute kennen, ist bereits 63 Jahre alt. Ich glaube kaum, dass die CD und
ihre Nachfolgemedien jemals dieses Alter erreichen werden. Meine Liebe zum
Plattenspieler begann schon in meiner Kindheit als ich voller Staunen vor dem
Dual 1209 meines Vaters stand. Diese Liebe und Begeisterung ist bis heute
geblieben. Und immer wenn es darum ging eine neue Hifi-Anlage anzuschaffen
stand der Plattenspieler immer ganz oben auf der Liste. Die musikalische
Wiedergabe ist bei der LP nicht durch technische Parameter begrenzt. Während
bei einer normalen CD der Frequenzbereich bei 20 kHz endet ist dies bei der
analogen Wiedergabe nicht der Fall. Jetzt kommt ganz sicher der Einwurf: „das
höre ich eh nicht“. Richtig! Aber bei einer kompletten High-End Kette spielen
diese Informationen schon eine Rolle. Gerade die Abbildung und Räumlichkeit der
Wiedergabe wird hier mit beeinflusst. Ich selbst merke das immer wieder.
Standard-CD´s leiden oft daran, dass ihnen die Lebendigkeit fehlt.
Vergleichstest zwischen LP und CD bringen mich persönlich immer zur LP.
Alternativ gibt es heute hochauflösende 24 Bit CD´s die mit Null-Jitter ins 16
Bit Format gebracht werden. Diese CD´s sind klanglich auf einem ganz anderen
Niveau, haben aber ihren Preis.

Bei der Auswahl eines passenden Spielers gibt es heute wieder (zum Glück) eine sehr große Anzahl von Geräten und Herstellern.
Hervorragende Einstiegsgeräte gibt es von Pro-Ject (www.project-audio.com) oder auch von Dual (www.sintron.de)

Mit dem Modell Project „Debut“ hat man einen tollen Einstieg in die analoge Welt. Pro-Ject liefert auch sehr hochwertige und teure Spieler, aber hier würde ich dann doch eher zu Clearaudio (www.clearaudio.de) bzw. Transrotor (www.transrotor.de) raten.
Diese beiden Hersteller fertigen in Deutschland und der Support bei clearaudio
ist exzellent (das kann ich aus eigener Erfahrung berichten). Neben diesen drei
Herstellern gibt es noch High-End Manufakturen wie Bauer dps, Acoustic Solid
usw. Der Name Thorens wird dem einem oder anderen auch noch etwas sagen. Die
Markenrechte sind nach der Insolvenz verkauft worden. Thorens verkauft heute wieder Spieler, die vorwiegend OEM Geräte von Dual (die gibt es immer noch) und
Pro-Ject sind. Nur die Top-Dreher sind eigene Geräte.

Alternativ gibt es die Möglichkeit sich einen günstigen Spieler bei ebay zu ersteigern. Hier würde ich aber nur zu den Dual Spielern raten. Die haben den Vorteil, dass es immer noch ein sehr großes Angebot gibt und man im Falle eines Defektes viele Teile bekommt. Empfehlenswert sind vor allem die Geräte CS 530, CS 630 Q, CS 750, CS 505-2/3/4 (diese Spieler habe ich selbst), CS 721, CS 741Q, CS 728. Gerne kann Euch unterstützen oder beraten.

Für den Einstieg sollte man beim Tonabnehmer ein MM-System
nehmen. Der Vorteil gegenüber den MC-Systemen ist, dass die meisten Verstärker
einen entsprechenden Eingang haben. Auch gibt es günstige externe
Phonovorverstärker für diese Systeme. MC-Systeme sind eher etwas für den
High-End Bereich. Sie kosten auch deutlich mehr. Empfehlenswerte MM-Einstiegssysteme sind das Ortofon OM 10/20/30 . Bei den MC-Systemen würde ich das Benz ACE empfehlen. Es liegt in der mittleren Preiskategorie und man kann es mit
verschiedenen Ausgangsspannungen wählen.

Die meisten neuen Spieler haben heute kein Subchassis mehr.
Das bedeutet diese Geräte wollen sorgfältig aufgestellt und entkoppelt werden.
Trittschall bzw. Reflexionen der Lautsprecher können den Musikgenuß trüben. Im
Einstiegsbereich gibt es z.B. den Dual CS 505-4 der noch über ein Subchassis
mit Federelementen verfügt. Wirkungsvolle Entkopplungsmaßnahmen sind z.b. die
Wandmontage oder das Aufstellen auf entsprechenden Basen.

Bleibt nur die Frage nach der „Software“, den LP´s. In
normalen Geschäften findet man diese nicht mehr. Aber es gibt immer mehr
Second-Hand Läden (z.B. Die Box, Mundenheimer Str. in LU) die eine riesige
Auswahl an sehr gut erhaltenen Platten führen. Zusätzliche gibt auch jede Menge
Neupressungen. Diese gibt über den Versandhandel von www.dacapo-records.de, www.loftsound.de oder www.jpc.de. Selbst Amazon bietet wieder LP´s von
aktuellen Pressungen an. Viele Künstler veröffentlichen ihre aktuellen Platten auch in Vinyl-Form.

Die Pflege der LP sollte man einer Plattenwaschmaschine
überlassen. Das früher mal gängige „Nassabspielen“ schadet mehr als es nutzt.
Plattenwaschmaschinen gibt es in sehr einfacher Ausführung, die es auch
gebraucht gibt, bis hin zu vollautomatischen Geräten. Bei www.nittygrittyinc.com findet man solche Geräte. Aber auch Okki Nokki oder Clearaudio (vom Feinsten!) bieten diese Geräte an.

Bei mir zu Hause läuft ein Clearaudio Performance (mit Clearaudio synchro und Musical Fidelty MX Vynl) und ein Dual CS 750 mit Benz ACE H2 (ebenfalls an einer Musical Fidelty MX Vynl). Die Verstärkung übernimmt ein McIntosh MA 6600AC (das
hat nichts mit dem angebissenen Apfel zu tun!). Einen CD Spieler habe ich
natürlich auch. Der Teac VRDS 25X ist mittlerweile 16 Jahre alt und so recht
kann ich mich nicht von ihm trennen. Die abschließende Wiedergabe erfolgt über T&A Lautsprecher Criterion TS 200. Ihre Transmission-Line sorgt für eine wundervolle Bass-Wiedergabe und macht einfach Spaß.
Verkabelt ist das Ganze mit inakustik, Nordost, Silent Wire und Goldkabel
(kommen aus Ludwigshafen).

Den Kauf eines Hifi-Gerätes sollte man nicht bei den roten
bzw. blauen Marktschreiern tätigen. Wer eine vernünftige Beratung sucht, das
eine oder andere Gerät hören möchte, geht am besten in den Fachhandel.

Die Bilder sind alle im Phonomuseum St. Georgen entstanden